Mennoniten.de - Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland
 

 

 
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Unsere gemeinsamen Glaubensüberzeugungen

Durch die Gnade Gottes wollen wir die gute Nachricht von der Versöhnung in Jesus Christus leben und  verkündigen. Weil wir zu allen Zeiten und an allen Orten Teil des einen Leibes Christi sind,  halten wir das Folgende für die Mitte unseres Glaubens und unseres Lebens:

1. Gott teilt sich uns mit als Vater, Sohn und Heiliger Geist, als Schöpfer, der die gefallene Menschheit wiederherstellen will, indem er ein Volk beruft, das treu sein soll in der Gemeinschaft, im Gottesdienst, in Dienst und Zeugnis.

2. Jesus ist der Sohn Gottes. Er hat uns durch sein Leben und seine Lehre, seinen Tod am Kreuz und seine Auferstehung gezeigt, wie wir ihm im Glauben treu nachfolgen können. Er hat die Welt erlöst und ewiges Leben verheißen.

3. Als Gemeinde sind wir die Gemeinschaft derer, die Gottes Geist dazu beruft, sich von der Sünde abzuwenden, Jesus Christus als ihren Herrn anzuerkennen, die Taufe auf das Bekenntnis ihres Glaubens hin zu empfangen und Jesus Christus in ihrem Leben nachzufolgen.

4. Als Gemeinschaft der Gläubigen erkennen wir die Bibel als Autorität für unseren Glauben und unser Leben an. Wir legen sie gemeinsam unter der Leitung des Heiligen Geistes und im Licht Jesu Christi aus, um Gottes Willen für ein gehorsames Leben zu erkennen.

5. Der Geist Jesu gibt uns die Kraft, Gott in allen Lebensbereichen zu vertrauen. So werden wir Friedensstifter, die der Gewalt absagen,  ihre Feinde lieben, nach Gerechtigkeit trachten und ihren Besitz mit Notleidenden teilen.

6. Wir versammeln uns regelmäßig zum Gottesdienst, um das Abendmahl zu feiern und um Gottes Wort zu hören. Wir tun das im Bewusstsein gegenseitiger Verantwortlichkeit.

7. Als weltweite Gemeinschaft von Menschen, die Glauben und Leben teilen, wollen wir  jegliche Trennung durch Nationalität, ethnischen Hintergrund, Klasse, Geschlecht und Sprache aufheben. Wir wollen in dieser Welt leben, ohne uns von den Mächten des Bösen  bestimmen zu lassen. Wir bezeugen Gottes Gnade, indem wir anderen dienen, Sorge für die Schöpfung tragen und alle Menschen dazu einladen, Jesus Christus als Heiland und Herrn kennen zu lernen.

Unsere Überzeugungen sind geprägt durch unsere täuferischen Vorfahren  des 16. Jahrhunderts, die uns eine radikale Nachfolge Jesu Christi beispielhaft vorlebten. In der Kraft des Heiligen Geistes wollen wir im Namen Jesu Christi unser Leben gestalten und vertrauensvoll auf die Wiederkunft Christi und die Vollendung des Reiches Gottes warten.

 

Angenommen durch die Mitgliederversammlung der Mennonitischen Weltkonferenz, Pasadena 2006

 

Die Glaubensüberzeugungen als PDF herunterladen

Es gibt nun auch einen farbigen Flyer zu den "Shared Convictions" auch dieser
lässt sich hier als PDF herunterladen.

Die theologische Ausrichtung

Die theologische Ausrichtung der Mennoniten folgt in den grundlegenden Teilen der reformatorischen Tradition. Sie teilt mit den anderen Kirchen der Reformation die in den Exklusivpartikeln enthaltenen Überzeugungen und wird daher als evangelische Freikirche bezeichnet:

Sola Scriptura: die Schriften des alten und neuen Testaments sind alleinige Richtschnur für den Glauben und für die Gestaltung eines Lebens in der Nachfolge Jesu.

Solus Christus: allein durch Christus ist Gottes Heil den Menschen offenbart, durch sein Leben, Sterben und Auferstehen können die Menschen sich als vor Gott gerechtfertigte erkennen und ihre Lebensgestaltung dementsprechend ausrichten.

Sola Gratia: dies geschieht durch die gnädige Zuwendung Gottes zu seinen Menschen, ist nicht ein Verdienst, den sich die Menschen durch irgendwelche Handlungen erworben hätten.

Sola Fide: im Glauben allein ist dies zu erkennen und anzunehmen.

Dennoch finden Christologie, Ekklesiologie und Ethik einen besonders akzentuierten Begründungszusammenhang, der die Mennoniten von anderen Kirchen der Reformation unterscheidet. Das Versöhnungsgeschehen in Christus ist der Akt der Feindesliebe Gottes (Röm 5,8.10), das Kreuz wird zum Zeichen der Gewaltfreiheit Gottes. Hierin erkennt die versöhnte Gemeinde ihren Auftrag zur Nachfolge auf dem gewaltfreien Weg Jesu, den sie nicht „imitieren“ kann, im Sinne der Vollkommenheit, aber an dem sie teil hat. Der Glaube an die vergebende und zuwendende Liebe Gottes befreit die Gemeinde, diese Ethik zu leben. Das daraus resultierende Ethos der Gewaltfreiheit brachte den Mennoniten im 20. Jahrhundert auch die Bezeichnung „Historische Friedenskirche“ ein.

Die Gestalt der Kirche

Um der Glaubwürdigkeit der christlichen Botschaft willen hat dies Konsequenzen für die Gestaltung der Kirche: Sie ist eine Gemeinschaft jener, die in der Erwachsenentaufe ihren freiwilligen Willen zur Nachfolge bekennen, antwortend auf die vorauslaufende Gnade Gottes. Durch die Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes werden sie Teil einer Ortsgemeinde und der weltweiten Kirche Christi. In der Feier des Abendmahls wird die Gemeinde durch die Zeichen von Brot und Wein an das Werk Christ erinnert und vergewissert sich so der Gemeinschaft mit Christus und untereinander.

Die Bibel wird von der Gemeinde als einer „hermeneutischen Gemeinschaft“ ausgelegt, in der jede/r mit seinen und ihren Gaben dient. Aus diesem „Priestertums aller Gläubigen“ ergibt sich eine Ablehnung kirchlicher Ämterhierarchien, sowie eine kongregationalistische Struktur, d.h. eine weitestgehende Autonomie der Ortsgemeinde. Eine klare Trennung von Kirche und Staat wird befürwortet. Auch die traditionelle Eidesverweigerung (um nicht Bindungen einzugehen, die in Konkurrenz zum Bekenntnis stehen und zum Zeichen der Wahrhaftigkeit in jeder Situation) ist in diesem Kontext zu verstehen.

Einheit in Verschiedenheit

Die übergroße Vielfalt von Ausprägungen unter Mennonitengemeinden wird aufgrund dieser Überzeugungen erklärbar. In jeder Generation und in jedem Kontext ist - anhand der biblischen Zeugnisse - neu danach zu fragen, was Glaube und Nachfolge bedeuten. Daher sind Mennoniten auch stark durch den jeweiligen geistesgeschichtlichen und kulturellen Kontext geprägt. Einflüsse durch Pietismus und Fundamentalismus (Nordamerika) lassen sich in verschiedenen Gruppierungen ausmachen. In anderen Teilen hat ein liberales Denken starke Spuren hinterlassen.

Was Mennoniten untereinander verbindet, ist die gemeinsame Geschichte einer Konfession, die immer schon Ethik und Ekklesiologie eng aneinander band. Sie blieben mit dieser Gestaltung von Kirche eine Minderheit. Während ihre Geschichte in den Anfängen stark durch die Verfolgung durch staatliche wie kirchliche Autoritäten geprägt war, die in Teilen zu schroffen Abgrenzungen führte, so gelten Mennoniten heute als Teil der weltweiten ökumenischen Gemeinschaft - auch in ihrem Selbstverständnis.

Autor: Fernando Enns, Dr. theol., Inhaber der Stiftungsdozentur und Leiter der Arbeitsstelle Theologie der Friedenskirchen, Fachbereich Ev. Theologie, Universität Hamburg,  stellv. Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland

 
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