Gerechter Friede braucht Gewaltverzicht – Offener Brief der AMG an die EKD

Die Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden (AMG) hat sich mit einem offenen Brief an die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischöfin Kirsten Fehrs, gewandt. Anlass ist die im November 2025 veröffentlichte Denkschrift „Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick“, mit der die EKD ihre friedensethischen Positionen angesichts veränderter globaler Bedrohungslagen weiterentwickeln will.

Die AMG bringt in dem Schreiben ihre Sorge über eine zunehmende Distanz in friedensethischen Fragen zum Ausdruck. Man bedauere, dass sich „unsere theologischen und ekklesiologischen Divergenzen in Friedensfragen in dieser Denkschrift offensichtlich wieder auseinanderentwickeln“. Konvergenzen, die in internationalen ökumenischen Prozessen – etwa während der ÖRK-Dekade zur Überwindung von Gewalt – gewachsen seien, seien nicht mehr erkennbar.

Inhaltlich hinterfragt die AMG insbesondere die Gewichtung militärischer Gewalt im Konzept des Gerechten Friedens. Die wichtigste Dimension könne „niemals der Schutz vor Gewalt mit Gewalt sein. Vielmehr ist es die Überwindung von Gewalt.“ Der Unterschied zwischen „Schutz vor“ und „Überwindung von“ Gewalt sei friedensethisch entscheidend.

Zugleich warnt der Brief davor, den „Mythos der erlösenden Gewalt“ zu bekräftigen. Es sei Aufgabe der Kirchen, diesen zu entlarven – aus politischen wie aus theologischen Gründen. Die AMG betont die Orientierung an der Gewaltfreiheit Jesu und regt an, stärker auf friedenspraktische und friedenswissenschaftliche Expertise zurückzugreifen.

Unterzeichnet ist der Brief von Doris Hege für den Vorstand der AMG sowie von Anthea Bethge für das Mennonitische Friedenszentrum Berlin (MFB) und Johanna Star Landes für das Deutsche Mennonitische Friedenskomitee (DMFK). Die Verfasserinnen verbinden ihre Kritik mit der Einladung zum ökumenischen Dialog über Fragen des Friedens.

Der vollständige offene Brief ist als PDF im Anhang abrufbar.