… wie ein Strom, der nie austrocknet

Die Ökumenische Dekade der Klimagerechtigkeit: 2025 – 2034

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat im Juni 2025 die „Dekade der Klimagerechtigkeit” ausgerufen. Diese Dekade ist eine mutige und im Gebet fundierte Antwort der weltweiten Gemeinschaft der Kirchen, ökumenischer Partnerinnen und aller Menschen guten Willens auf die wachsende Klimakrise. Sie ruft uns dazu auf, uns mit all jenen zu solidarisieren, die am stärksten unter Klimaungerechtigkeit leiden und in dieser Dekade eine Führungsrolle übernehmen müssen. Die Klimakrise ist Ausdruck eines Zusammenspiels verschiedener Krisen von wirtschaftlicher, ökologischer, moralischer und spiritueller Natur. Der Klimawandel bedeutet nicht nur schmelzende Gletscher und austrocknende Flüsse, sondern er schmilzt auch die moralischen Grundlagen unserer Gesellschaften. Er beschleunigt Dynamiken der Ungerechtigkeit, verstärkt Armut, vertreibt Millionen von Menschen und bedroht das heilige Netz des Lebens, das uns alle erhält. Dies ist nicht nur eine Umweltkrise, sondern auch eine spirituelle Krise. Das Evangelium kann uns inmitten dieser Krisen als Ankerpunkt dienen, um unsere Lebensweisen zu ändern. Wir geben hier einen kurzen Überblick über diese Dekade, bleiben dabei nah am Wortlaut des verabschiedeten Dokuments und ziehen gleichzeitig eine Verbindung zum mennonitischen Anspruch, „Friedenskirche zu sein“. Das gesamte Dokument schicken wir auf Anfrage gerne zu (mabs@ mennoniten.de).

Eine mennonitische Verpflichtung zur Klimagerechtigkeit

Im Geist des Pilgerwegs der Gerechtigkeit, der Versöhnung und der Einheit ist diese Dekade eine Einladung an den Leib Christi, sich gemeinsam von der Zerbrochenheit der Gegenwart hin zur Verheißung einer wiederhergestellten Schöpfung zu bewegen. Die Klimakrise ist ein zentrales Thema des Evangeliums. Sie drängt uns dazu, uns für die Schwachen einzusetzen und Systeme infrage zu stellen, die die Schöpfung zerstören. Dabei geht es nicht nur um die Umwelt, sondern auch um die Ungerechtigkeit, die den Krisen unserer Zeit zugrunde liegt. Als Friedenskirche werden wir von der Dekade aufgefordert, gegen Ungerechtigkeit aufzustehen, insbesondere dort, wo sich die Folgen des Klimawandels mit kolonialem Erbe und Kriegen überschneiden.

Wir stehen in der Tradition der Prophetinnen und Märtyrerinnen, die den Mächtigen gegenüber die Wahrheiten ausgesprochen haben. In dieser Dekade sind wir aufgefordert, uns den Mächten und Imperien entgegenzustellen, die Gottes Volk weiterhin unterdrücken und seine Schöpfung plündern. Es gibt keinen Frieden ohne Gerechtigkeit. Deshalb sind wir als Mennoniten verpflichtet, uns für Klimagerechtigkeit als Weg zum Frieden einzusetzen. Wir beteiligen uns aktiv am Aufbau des Reiches Gottes in der Hoffnung, dass in Christus alle Dinge neu werden.

Bedeutung der Klimadekade für Mennoniten

Die Dekade schlägt vor, das Evangelium mit Händen und Füßen zu leben. Sie passt deshalb gut zu unserem mennonitischen Zeugnis. Wir werden aufgefordert, ein moralischer Kompass, eine Gemeinschaft der Resilienz und eine Stimme der Hoffnung zu sein. Die Dekade fordert uns auf, mit gutem Beispiel voranzugehen: durch Andachten und Seminare zum Thema Klimagerechtigkeit sowie durch gerechte Investitionen und den Bau ökologischer Gebäude mit Solarenergie- und Wasserauffangsystemen. Kirchen können eine Zuflucht für Leidtragende der Klimakrise bieten. Sie sind oft kühle Gebäude während der heißen Sommermonate oder können Heizung bieten während der kalten Wintermonate. Kirchen können sich politisch hörbar machen, sich in Solidaritätsnetzwerke einbringen, Hilfe vor Ort anbieten, selbst an Fortbildungen teilnehmen und Ressourcen aus diesen Netzwerken nutzen. Die Dekade lädt uns ein, politisch, gesellschaftlich und theologisch präsent zu sein.

Wie geht es weiter?

Wir, Rebecca Froese (AMG-Vorstandsmitglied und Transformationsforscherin) und Geke van Vliet (Mitarbeiterin bei MFB & MJN und Ökotheologin) sind als Delegierte der AMG in der ÖRK-Kommission für Klimagerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung tätig. Wir treffen uns regelmäßig mit den anderen Mitgliedern dieser internationalen Kommission – in großen Plenarsitzungen ebenso wie in kleineren Arbeitsgruppen –, um die Klimadekade weiter mitzugestalten und erfolgreich in die Gemeinden zu tragen. Als Mennonitinnen in dieser Kommission werden wir immer wieder den Zusammenhang zwischen Frieden und Klimagerechtigkeit thematisieren.

Ihr wollt direkt loslegen? Zwischen dem 1. September und dem 4. Oktober findet jedes Jahr die Schöpfungszeit statt. Diese Zeit bietet sich an, um mit der Gemeindearbeit zur Klimadekade zu beginnen, beispielsweise mit einer Andacht zum Thema Klimagerechtigkeit und Frieden. Der 21. September ist übrigens Weltfriedenstag! Unter https://seasonofcreation.org findet ihr Materialien zum Thema „Frieden mit der Schöpfung”.

Werdet Teil von MABS!

Wir möchten die Dekade zum Anlass nehmen, das Thema Klimagerechtigkeit in der Brücke häufiger aufzugreifen. Wir möchten theologische Reflexionen und praktische Einblicke teilen, um Gemeinden und Initiativen zu inspirieren. Gleichzeitig möchten wir uns von euch inspirieren lassen, um diese Dekade in unseren Gemeinden gemeinsam zu gestalten. Als Teil der MABS (Mennonitische Arbeitsgruppe zur Bewahrung der Schöpfung) sehen wir diese Dekade als Gelegenheit, unsere Arbeit in einen größeren Kontext zu stellen. Wenn du Lust hast, dich für Klimagerechtigkeit zu engagieren und Teil unserer Initiative zu werden, schreib uns. Wenn du einfach nur informiert bleiben möchtest, halte im Herbst Ausschau nach unserer MennoCom-Gruppe. Gibt es in deiner Gemeinde eine tolle Initiative, die du gerne teilen möchtest? Oder hast du gute Ideen, von denen andere Mennonitinnen erfahren sollten? Dann lass uns unter mabs@mennoniten.de davon wissen.

Rebecca Froese und Geke van Vliet
Delegierte in der Kommission für Klimagerechtigkeit des ökumenischen Weltrates der Kirchen

Erschienen in DIE BRÜCKE 5-2025